Inhalt:

Zustands-und Funktionsprüfung von privaten Hausanschlußleitungen (ehemals Dichtheitsprüfung)

Das Gesetz – was ist zu prüfen ?

Zur Verhinderung von Versickerung von Schmutzwasser in das Erdreich zum Schutz des Trinkwassers  und zur Vermeidung von Grundwassereintritt (Fremdwasser) in die Kanäle gab es in NRW die Pflicht zur Prüfung der privaten Abwasserkanäle auf Dichtheit. Bis zum Jahr 2008 war dieses in der Landesbauordnung im § 45 geregelt. Ab dem 01.03.2008 wurde diese Verpflichtung in das Landeswassergesetz in den § 61a überführt. Auf Grund einer nochmaligen Änderung des Landeswassergesetzes im März 2013 in Verbindung mit einer Rechtsverordnung, der „Selbstüberwachungsverordnung Abwasser“, vom Oktober 2013, besteht die Verpflichtung zur flächendeckenden Prüfung von bestehenden Abwasserleitungen nicht mehr. Es besteht allerdings weiterhin die Verpflichtung, dass in Wasserschutzgebieten für bestehende Abwasserleitungen einschl. der zugehörigen Schächte eine Zustands- und Funktionsprüfung durchgeführt werden muß. Das Gleiche gilt auch außerhalb der Wasserschutzgebiete für Abwasserleitungen von bestimmten Industrie- und Gewerbebetrieben, für deren Abwasser in den Anhängen der Abwasserverordnung des Bundes Anforderungen festgelegt sind. Die Verpflichtung zur Dichtheitsprüfung bei der Neuerrichtung von Abwasseranlagen bleibt weiterhin grundsätzlich bestehen.

Auf Grundlage der Selbstüberwachungsverordnung Abwasser (SüwVO Ab NRW) sind folgende im Erdreich verlegten Abwasserleitungen zu prüfen:

  • Bei allen Neubauvorhaben oder wesentlichen Änderungen oder Sanierungen von bestehenden Abwasseranlagen: unverzüglich vor Inbetriebnahme bzw. Wiederinbetriebnahme der Abwasseranlage.
  • Bei bestehenden Abwasserleitungen innerhalb von Wasserschutzgebieten, wenn diese Leitungen vor dem 01.01.1965 verlegt wurden: bis 31.12.2015.
  • Bei bestehenden Abwasserleitungen innerhalb von Wasserschutzgebieten, wenn diese Leitungen nach dem 01.01.1965 verlegt wurden: bis 31.12.2020.
  • Bei bestehenden Abwasserleitungen von bestimmten Industrie- und Gewerbegebieten innerhalb von Wasserschutzgebieten, wenn diese Leitungen vor dem 01.01.1990 verlegt wurden: bis 31.12.2015.
  • Bei bestehenden Abwasserleitungen von bestimmten Industrie- und Gewerbebetrieben innerhalb von Wasserschutzgebieten, wenn diese Leitungen nach dem 01.01.1990 errichtet wurden: bis 31.12.2020.
  • Bei bestehenden Abwasserleitungen von Industrie- und Gewerbebetrieben außerhalb von Wasserschutzgebieten für deren Abwasser in den Anhängen der Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserverordnung – AbwV) Anforderungen festgelegt sind : bis zum 31.12.2020.

Alle Prüfungen haben eine Laufzeit von 30 Jahren. Um alle Eigentümer von Grundstücken innerhalb der Wasserschutzgebiete unabhängig vom Prüfungszeitpunkt gleichzustellen, beginnt die Frist mit dem Stichtag des jeweiligen spätesten Prüftermins.

Die Prüfung – wie ist zu prüfen ?

Für die Prüfung der Abwasserleitung gibt es unterschiedliche Verfahren. Die hierbei zu beachtenden speziellen Anforderungen und Prüfmerkmale sind den verschiedensten Regelwerken (DIN EN 1610, DIN 1986-Teil 30, DWA Merkblatt M143-Teil 6) zu entnehmen:

  • Kamerabefahrung (optische Inspektion)
  • Vereinfachte Druckprüfung nach DIN 1986-30 (DR2)
  • Druckprüfung nach DIN EN 1610 (DR1)

Die einzelnen Prüfverfahren werden in der Regel wie folgt eingesetzt :

Bei bestehenden Abwasserleitungen genügt eine Kamerabefahrung (optische Inspektion).

Bei der Kamerabefahrung werden die Abwasserkanäle zunächst gereinigt. Anschließend werden diese dann auf eventuell vorhandene Schäden untersucht. Dieses erfolgt von der Reinigungsöffnung im Keller oder vom Revisionsschacht an der Grundstücksgrenze Ihres Grundstückes aus. Bei dieser optischen Inspektion wird der bauliche Zustand der Leitungen mit allen gegebenenfalls sichtbaren Schäden festgestellt, dokumentiert und, sofern Schäden festgestellt wurden, in drei Schadensklassen eingestuft. Diese Bewertung des Sachkundigen lässt Rückschlüsse auf die Dichtheit des Kanals zu. Ist eine TV-Inspektion auf Grund nicht vorhandener Zugänglichkeit oder extremen Krümmungen der Leitungen nicht durchführbar oder ist sie als nicht ausreichend anzusehen, so ist eine andere Prüfmethode wie die Prüfung mit Luftdruck oder Wasserdruck zu wählen. Bei dem Einsatz der optischen Inspektion sollten folgende Bedingungen vom Sachkundigen erfüllt werden:

  • Einsatz einer Kreis- oder Schwenkkopfkamera.
  • Die Kamera sollte über einen Sender zur Ortung verfügen und ein aufrechtes Bild garantieren.
  • Die Kamerainspektion muss mittels DVD oder CD aufgezeichnet und dem Eigentümer übergeben werden. Der vom Sachkundigen angefertigte Untersuchungsbericht mit Schadensfotos, Bildern, Einmessung der vorhandenen Abzweigstutzen, Lage etc. für jede untersuchte Leitung und Einstufung in die Schadensklassen ist dem Eigentümer zu übergeben.

Nach wesentlicher Änderung/Umbau von bestehenden Abwasserleitungen ist in der Regel eine vereinfachte Druckprüfung ausreichend.

Um eine vereinfachte Druckprüfung durchzuführen, werden die Abwasserkanäle mittels Absperrblasen verschlossen. Anschließend werden die Kanäle bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungspunktes mit Wasser geflutet und der Wasserstand über einen bestimmten Zeitraum (in der Regel 15 Minuten) gehalten. Die eventuell verloren gegangene Menge an Wasser ist zu messen und aufzuzeichnen und ist abhängig von verschiedenen Parametern wie Länge, Material, Nennweite etc. Die Leitung gilt als dicht, wenn eine bestimmte Wasserzugabemenge nicht überschritten wurde. Vom Ergebnis der Dichtheitsprüfung ist eine Dokumentation des Prüfverlaufs des Wasserverlustes sowie ein Lageplan mit Darstellung der Entwässerungsleitungen anzufertigen, vom Sachkundigen zu bewerten und dem Eigentümer auszuhändigen.

Nach Neubau einer Abwasserleitung ist eine Druckprüfung durchzuführen.

Bei der Druckprüfung werden die Abwasserkanäle mit Absperrblasen abgedichtet und Wasser- oder Luftüberdruck auf die Leitung aufgebracht. Vom Ergebnis der Druckprüfung ist eine Dokumentation des Prüfverlaufes mit Prüfprotokoll bzw. Druckverlaufsprotokoll sowie ein Lageplan mit den Darstellungen der Entwässerungsleitungen anzufertigen, vom Sachkundigen zu bewerten und dem Eigentümer auszuhändigen.

Bitte achten Sie darauf, dass die Prüfung nur von einem anerkannten Sachkundigen persönlich durchgeführt wird, da die Sachkunde personenbezogen ist. Die Sachkundigen werden auf einer gemeinsamen Landesliste beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) seit dem 01.12.2009 geführt. Die Liste der Sachkundigen können Sie beim Tiefbauamt einsehen oder unter www.sadipa.it.nrw.de/sadipa herunterladen.

Sollten Sie bereits eine Dichtheitsprüfung vor dem 01.12.2009 durchgeführt haben, so können auch andere von Fachunternehmen durchgeführte Dichtheitsprüfungen anerkannt werden. Diese sind allerdings dann der Stadt Kempen zusammen mit dem Original-Prüfprotokoll zuzusenden.

Die Sanierung – wann muss saniert werden ?

Wenn die Zustands- und Funktionsprüfung ergeben hat, dass Ihre Abwasserleitung Schäden aufweist, müssen Sie diese ggf. sanieren lassen.

Bei der Prüfung von Leitungen im Bestand mittels Kamerabefahrung muss der Sachkundige die vorgefundenen Schäden bewerten und gemäß einem Bildreferenzkatalog in 3 Schadensklassen einteilen.

Bei Einstufung in die Schadensklasse A = Große Schäden, müssen diese kurzfristig saniert werden. Die Frist legt die Stadt Kempen in Abhängigkeit des Schadensumfanges fest.

Bei Einstufung in die Schadensklasse B = Mittelgroße Schäden ist eine Sanierung in der Regel innerhalb von 10 Jahren ausreichend.

Bei Einstufung in die Schadensklasse C = Bagatellschäden ist eine Sanierung in der Regel nicht vor der nächsten Wiederholungsprüfung, d.h. in 30 Jahren, erforderlich.

Bei der Sanierung von Leitungen gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die von der Art des Schadens, Material und Lage der Leitung abhängen. Vom kompletten Austausch einer Leitung bis hin zu punktuellen Reparaturen oder auch grabenlose Sanierungen, sog. Liner-Verfahren gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Welche Sanierungsverfahren für Sie am besten geeignet und am wirtschaftlichsten ist, sollten Sie gemeinsam mit dem Sachkundigen der die Dichtheitsprüfung durchgeführt hat, mit einem Sanierungsfachmann bzw. einem zertifizierten Kanalsanierungsberater oder einer Fachfirma besprechen. Die Sanierung kann grundsätzlich von allen Fachfirmen durchgeführt werden, auch wenn diese nicht auf der Liste der zugelassenen Sachkundigen aufgeführt sind. Bei der Auswahl der Fachbetriebe sollten Sie darauf achten, dass diese auch tatsächlich die ausreichenden fachlichen Qualifikationen und Leistungsfähigkeit haben, um die angebotenen Leistungen ordnungsgemäß durchzuführen. Bitte denken Sie daran, dass nach der Durchführung der Sanierung wiederum eine erneute Zustands- und Funktionsprüfung bzw. Druckprüfung von einem Sachkundigen durchzuführen ist.

Bitte haben Sie auch Verständnis dafür, dass auf Grund der sehr individuellen Situationen und der großen Vielzahl der Möglichkeiten hinsichtlich der Sanierung eine Beratung durch die Stadt Kempen nicht erfolgen kann und auch von Seiten der Stadt Kempen keine Empfehlungen zu Sanierungsfirmen ausgesprochen werden dürfen.

Wichtiger Hinweis

Für die Zustands- und Funktionsprüfung und vor allen Dingen für die daraus ggf. resultierende Erneuerung / Sanierung / Reparatur von undichten Leitungen gibt es ein sehr großes Auftragspotential. Bitte holen Sie sich vor der Zustands- und Funktionsprüfung, aber insbesondere vor Beauftragung von Erneuerung / Sanierung / Reparaturen, verschiedene Angebote von seriösen Fachbetrieben ein. Schließen Sie keine Haustürgeschäfte ab. Auch Mitarbeiter der Stadt Kempen werden Ihnen keinesfalls Arbeiten im Rahmen der Prüfung oder Sanierung anbieten oder Firmen hiermit beauftragen! Falls Sie Zweifel haben, schließen Sie die Tür und fragen Sie bei der Stadt Kempen, Team Dichtheitsprüfung, unter Tel. 0 21 52 / 917 - 216 sicherheitshalber nach.

Wenn Sie sich zum Thema Zustands- und Funktionsprüfung noch näher informieren möchten, sind wir auch persönlich für Sie da und beantworten Ihre Fragen. Die Kontaktdaten finden Sie in der rechten Spalte.

Sie können Ihre Fragen auch schriftlich zusenden,

Als weitere Möglichkeit bietet die Verbraucherzentrale in Kooperation mit dem Städte- und Gemeindebund eine kostenlose Beratung rund um das Thema Zustands- und Funktionsprüfung an: Tel.: 0 211 / 38 09 300;  E-Mail: kanaldichtheit@vz-nrw.de.

Weitere Informationen:

Faltblatt Sanierung privater Abwasserleitungen (PDF)

Faltblatt Zustands- und Funktionsprüfung privater Abwasserleitungen: Beschreibung der Prüfverfahren (PDF)

Wasserschutzgebiete Kempen (PDF, 700KB)

Abwasserbeseitungssatzung der Stadt Kempen

Landeswassergesetz NRW

Selbstüberwachungsverordnung Abwasser

Info-Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)

Link zm Bildreferenzkatalog (PDF)

Suchmaschine zur Suche von Sachkundigen Firmen

Musterbescheinigung über das Ergebnis der Prüfung (PDF)

Internetseite der Verbraucherzentrale NRW zum Thema Kanal

Informationsbroschüre der Verbraucherzentrale (PDF)

Broschüre „Private Abwasserleitungen“, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (PDF)

Ansprechpartner:

Team Dichtheitsprüfung
Telefon: 0 21 52 / 917-216

Adresse

Rathaus
Buttermarkt 1
47906 Kempen

Erreichbarkeit

Montag bis Donnerstag
8.30 bis 12.30 Uhr
14 bis 17 Uhr
Freitag
8.30 bis 13 Uhr

und nach Vereinbarung